Orient, da bist du ja!

Die nächste Grenze wartet auf uns. Wir verlassen Turkmenistan so wie wir es betreten haben. Zusammen mit Arne. 
 
Die Grenzkontrolle zieht sich hier auch wieder etwas in die Länge. Jede Tasche wird durchleuchtet. Besonders interessant sind unsere Medikamente. Da gibt's scharfe Gesetze in Usbekistan. Wir sind vorbereitet. Eine Liste mit allen Drogen, unterschrieben von unseren Ärzten und sogar ins Russische übersetzen lassen (danke Splitt). Russisch verstehen hier viele, auch wenn die Amtssprache Usbekisch ist. In den Städten spricht man aber übrigens vorrangig Tadschikisch. Wobei Usbekisch mit lateinischen Buchstaben arbeit. Russisch und Tadschikisch hingegen mit kyrillischen. Da blick mal einer durch. 
Jede Menge Stempel und Formulare später sind wir dann auch schon im Lande. Wir werden mit einem platten Reifen begrüßt. Ursache unbekannt. Arne radelt uns derweil wieder davon. Das ist in Ordnung. Jeder macht sein Tempo, so war's abgesprochen.
Zeltplatzsuche
Wir sind auf dem Weg nach Bukhara bzw. Бухого. Die Etappe ist für uns nicht an einem Tag zu schaffen, schon garnicht nach so viel Zeit an der Grenze. Wir suchen einen Platz für unser Zelt. Usbekistan ist hier ziemlich grün. Keine Spur von Wüste. Landwirtschaft überall, Häuser überall. Zumindest auf kurze Distanz kein Fleckchen zu finden. Wir riskieren einen Abstecher und biegen von der Hauptstraße nach rechts ab, obwohl nichts erkennbar ist. Meistens bedeutet das noch mehr Aufmerksamkeit der Einheimischen. Was wollen diese Fremden hier? Die werden sich bestimmt verfahren. Oft wird dann versucht uns verständlich zu machen, dass wir zurück auf die Hauptstraße müssen, weil wir hier ganz bestimmt falsch sind. Oder neugierde Kinder folgen uns einfach. Das macht es nicht leicht ein ungestörtes Plätzchen zu finden. 
Wir fahren an einer Art Reihenhaussiedlung vorbei. Sowas hätten wir in Usbekistan nicht erwartet. Ich dachte sowas gibt's nur im Westen. Doch hier sehen wir sie vor uns. Zahlreiche, identisch aussehende Häuschen. Befremdlich wie wir finden. 
Wir fahren weiter unter den Bahngleisen hindurch. Wieder nur Felder und Häuser zu sehen.
Wir beschließen nach einem Platz zu fragen. An einem Haus mit großer, freier Fläche davor sitzen zwei Männer und eine Frau, die gemeinsam in irgendein Loch starren. Was auch immer sie da getan haben, sie können sich los reißen als Lena auf sie zukommt. Das russische Wort für Zelt können wir schon und damit ist unser Anliegen auch schon ziemlich schnell klar. 
 
Und tatsächlich, ohne mit der Wimper zu zucken bekommen wir ein Fleckchen direkt vor dem Haus zugewiesen. 
 
unaufdringlich gastfreundlich 
Wir bauen auf und richten uns ein. Niemand fragt uns aus oder nötigt uns ins Haus hinein. Irgendwie sehr angenehm. Lena baut den Kocher auf und fängt an zu kochen. Kurz darauf kommt die Frau des Hauses und bringt uns Tee. Wir bekommen auch noch etwas Gemüse, ein größeres Brettchen zum schnibbeln, sowie Brot & zwei Eier und eine Kostprobe vom selbstgemachten Osh (Reis mit Fleisch) - sehr lecker. Der Tee wird mehrmals nachgefüllt. 
Am nächsten Morgen werden wir ins Haus geladen um zu frühstücken. Der Mann ist längst schon auf dem Weg zur Arbeit, er ist Polizist, wie er uns am Abend noch stolz erzählt hat. 
Wir betreten das Haus und finden einen kahlen Raum vor. Das Wohnzimmer wie es scheint. Hier befindet sich beinahe nichts an Einrichtung. Ein kleiner, alter Fernseher auf einem wackeligen Tischchen ist sozusagen alles hier drin. Gegessen wird auf dem Boden. Das Essen liegt ausgebreitet auf einem Tuch. Es gibt Brot, Butter, Tee und Kekse sowie Bonbons und süßes Gebäck. Wir essen reichlich davon. Irgendwie können wir als Radler ja auch jede Menge Kalorien und Zucker gut vertragen, irgendwie essen wir aber auch aus Anstand. 
Wir fragen uns nachher ob das jetzt wirklich traditionell usbekisches Frühstück war oder diese Familie sich nicht viel mehr leisten kann. Evtl war auch einfach nichts anderes mehr im Haus. 
 
Bukhara 
Wir steuern ein Gasthaus in der Altstadt an. Es heißt Sarrafon und ist tatsächlich traumhaft. Ein schöner Innenhof, familiengeführt und saubere Zimmer. 25 Dollar (2 Personen) inkl Frühstück. 
Die Stadt überrascht uns total. Wir haben uns überhaupt nicht mit Usbekistan befasst und hätten wohl auch dann nicht sehr viel über Bukhara gelesen. Hier sehen wir zum ersten Mal das, was wir uns unter Orient vorstellen. 
Sandfarbene Gebäude mit türkisen Kuppeln und blauen Kacheln. So sieht 1001 Nacht für uns aus. Und hier finden wir es. 
Wir bleiben 3 Nächte um einen ganzen Tag für diverse, organisatorische Dinge und für die Stadt zu haben. 

 

Viel wissen wir bis jetzt nicht über die historischen Hintergründe all dieser Gebäude. Das finden wir schade. Wenn man diese beeindruckenden Bauwerke mal mit eigenen Augen sieht, weckt das schon das Interesse daran. Wir trinken einen Eis-Latte-Machiato in einem deutsch geführten Café. Dort lernen wir auch Gulli kennen. Eine Studentin, die deutsch spricht und hier arbeitet. Sie ist sehr interessiert und schließt Lena sofort in ihr Herz. Am nächsten Tag werden wir bei ihr unser zweites Frühstück zu uns nehmen. Das ist aber eine andere Geschichte. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Bernhard Welzel, der Vater von Arne (Dienstag, 03 Oktober 2017 15:57)

    Ihr schreibt sehr schön und ohne Überheblichkeit.
    Grüßt Arne von mir, falls Ihr ihn wieder trefft.
    Wäre ja nicht das zweite Mal.
    Euch weiterhin eine wunderbare, beschützte Reise!

  • #2

    Viola (Freitag, 06 Oktober 2017 16:08)

    Ja, die Bilder werden bunter, wirken tatsächlich orientalischer. Toll!