Geld wechseln in Turkmenistan

Wir passieren die Grenze nach Turkmenistan. Es ist sonnig und heiß, wie schon seit 2 Monaten. Als erstes brauchen wir Bargeld, schließlich stehen uns viele Kilometer durch beinahe wüstenhaftes Gelände bevor und keiner der kleinen Shops wird unsere Visa annehmen.  

Wir haben den Tipp bekommen direkt nach der Grenze den Umweg in die kleine Stadt zu fahren und dort Ausschau nach einer Bank zu halten. Dort könne man ebenfalls "unter der Hand" Geld wechseln.
Unter der Hand?
Genau. Die Währung in Turkmenistan heißt Manat. Für einen Dollar bekommt man beim offiziellen Kurs ganz grob 3,50 Manat.
Dieser Kurs ist aber extrem schlecht und wird wohl von offizieller Seite künstlich niedrig gehalten. Auf dem Schwarzmarkt bekommt man deutlich mehr für einen Dollar.

Zunächst gehen wir aber in die Bank. Dort dauert es ewig bis uns am Schalter irgendwer einen Ausdruck mit Angabe des offiziellen Kurses durch das Fenster reicht. Vermutlich sind die Leute nicht mehr gewohnt, dass tatsächlich jemand so dumm ist und offiziell Geld wechselt.

Während wir warten hat sich hinter uns bereits eine Gestalt mit Plastiktüte geschlichen. Die Tüte ist voller Geld und der Herr bietet uns (In der Bank!) einen Schwarzmarkt Kurs von 1 zu 4 an.

Wir haben die Grenze zusammen mit Arne überquert. Er ist auch mit dem Rad unterwegs und möchte ebenfalls Geld wechseln. Als das 1 zu 4 Angebot kommt, sagt er dem Bank Mitarbeiter, dass dieses ja besser wäre als sein offizielles. Dieser antworte "ja, aber das hier ist offiziell"
Arne: "ist es illegal bei dem Herrn hier zu tauschen"
Bankmitarbeiter: "weiß ich nicht"

Mit einem seltsamen Gefühl machen wir den 1 zu 4 Deal und verschwinden schnell aus dem Geldinstitut.

Seltsam. Wir wussten von anderen Radlern, dass man etwa 4 Manat je Dollar bekommt, dass sich das Tauschen "unter der Hand" so merkwürdig anfühlt hatten wir nicht erwartet.
 
Türkmenabat 
Einige Tage später stehen wir auf dem Bazar in Türkmenabat. Ich hatte im Vorfeld gesagt, dass wir meine restlichen 22 Dollar sicher irgendwo hier wechseln. Irgendwer läuft doch immer rum und ruft den Touristen zu "change money?"
Nix da. Hier kommen zu wenig Touristen hin. Kein Wunder bei der Visa-Politik.
Wir fragen und werden von einem Mann quer über den Bazar geführt. Hier sitzt eine Frau an einer Ecke zwischen Bazareingang und erstem Stand. Wir haben unsere Räder dabei und sind nicht gerade unauffällig.
Die Frau wirkt arrogant und angespannt. Sie murmelt etwas auf russisch. Ich meine die Zahl, also ihren Wechselkurs verstanden zu haben. 3,40 Manat pro Dollar. Dann hält sie mir ihr altes Handy mit einer 700 auf dem Display vor mein Gesicht.
Ich bin aufgeregt. Sie schaut immer wieder in alle Richtungen, vermutlich nach Polizei. Das hier IST illegal. Ich möchte 22 Dollar tauschen, überschlage (zu schnell) 3,40 x 22...Ja, kann schon sein. Mit einmal Komma verschieben, warum auch immer... Kommt das etwa auf 700... vermutlich.
Ich nehme das Angebot an und bekomme 140 Manat in die Hand gedrückt. Hä?
Ich mache meine Verwirrung deutlich. Sie hatte doch was von 700 gesagt. Wo ist der Rest. Sie antwortet irgendwas mit neue und alte Manat. Ich raffe das nicht und rechne auch nicht nach. Sie wiederholt alte und neue Manat. Der Typ mit dem kleinen Verkaufsstand neben ihr hat inzwischen schon zusammengepackt und ist verschwunden. Offenbar dauert ihm das ganze zu lange und erregt zu viel Aufsehen.
Ich verlange meine Dollar zurück, bekomme sie auch tatsächlich wieder und wir fahren zur Bank.
Dort tausche ich zum offiziellen Kurs und halte dann etwa 80 Manat in der Hand.
Ich schaue Lena an und frage sie: "Ich hatte auf dem Bazar 140 Manat in der Hand, warum hab ich das abgelehnt?"
Die Frau hat mir einen Kurs von etwa 6,30 Manat je Dollar gegeben. Ich habe gerade für 3,50 je Dollar getauscht. Mein Geld war also beinahe doppelt so viel Wert!
 
Erklärungen
Später treffen wir Arne wieder und der erzählt uns, dass er von einem anderen Radler gehört hat, dass dieser für 6,50 Manat je Dollar getauscht hat. Das kommt etwa hin, denke ich. Krass, dann scheint das der Schwarzmarkt-Kurs zu sein. Nicht 3,50, nicht 4, nein... Etwa 1 zu 6 oder mehr. Ich fühle mich noch schlechter. Am der Grenze hätten wir für unsere 50 Dollar also 300 Manat bekommen können. Stattdessen haben wir 200 gezahlt. 
In Anbetracht der Tatsache, dass unser Hotel pro Nacht 50 Manat pro Person kostet, ist das doch schon ziemlich viel. 
 
Beim Einkaufen wird mir dann auch die komische Sache mit Alt- und Neu-Manat klar. Der Verkäufer hält mir an der Kasse den Taschenrechner hin und der zeigt mir eine viel zu hohe Zahl. Ich schaue ihn ratlos an. Er begreift, dass ich wohl noch nicht so lange im Land bin und rechnet besagte Zahl durch 5. Aha, offenbar gab's vor kurzem mal eine Währungsreform und alle sind noch die alten Preise gewohnt. Jetzt ergibt die aufgeregte Bazar-Geldwechsel-Tante mit ihrer komischen 700 auf dem Handy auch Sinn. Trotzdem irgendwie dumm. Auf den Geldscheinen stehen doch schließlich die neuen Werte drauf. 
 
Merke: vorher genau informieren, auch über evtl. Schwarzmarkt Kurse, Währungsreformen und vor Ort Ruhe bewahren und nachrechnen. 
 
Jetzt hab ich's 
Inzwischen habe ich nachgelesen. Die Türkmenen scheinen etwas zu sehr in der Vergangenheit zu leben. 2009 wurde der neue Manat eingeführt. Dieser löste den alten ab. Dabei sind 5000 alte Manat 1 neuer Manat. 
5000? Das ergibt eigentlich immer noch keinen Sinn. Müssten dann die Verkäufer nicht durch 5000 teilen? Hätte auf dem Handy-Display Bazar-Hexe nicht 700 000 stehen müssen? 
Nach einigen Überlegungen erkläre ich es mir so:
Vermutlich waren die Zahlen der alten Währung bei jedem Einkauf immer so hoch, dass die Leute immer 3 Nullen weggelassen haben, wenn es um Geld ging. 
Wenn man also ein Brot gekauft hat, dann hat der Verkäufer einfach 5 gesagt und nicht 5000, weil klar ist, dass er nur 5000 meinen kann, da man für 1 Manat damals wohl einfach nichts kaufen konnte. Das gleiche kennen wir schon aus dem Iran. 
Die 700 waren also eigentlich 700 000 und die waren eigentlich 140. 
Das soll man als Touri mal wissen. Im Nachhinein gesehen war die Exchange-Trine also ziemlich dumm davon auszugehen, dass ich das begreifen würde. Da hat sie uns wohl beide um ein sinnvolles Geschäft gebracht. 
  

 

 

Stefan

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Kommentare: 4
  • #1

    Rüdiger (Mittwoch, 27 September 2017 23:08)

    Die Art, in der diese Geschichte aufgeschrieben ist bestätigt, dass ihr euch noch immer ärgert / aufregt. Vielleicht erkennen wir daran den Wert der einheitlichen europäischen Währung (jedenfalls in weiten Teilen Europas). Scheiß auf die Nachteile; ich meine, die Vorzüge überwiegen. Ich rede vom Euro. Ansonsten erinnert mich das an Lire in Italien und der Türkei, an Falschgeld und den Wechselkurs Mark der DDR zu D-Mark. Bei letzterem war de offizielle Kurs 1:1, was aus meiner Sicht völlig O.K. war (in der Summe aller Dinge gesehen). Inoffiziell hat sich der Kurs im Laufe der Zeit von 1:3 zu 1:10 entwickelt. Weit weg von der Realität.
    Aber nebenbei: Wenn man in einem Land mit Geldwechsel zu utopischen Kursen immer noch was verdient, da ist doch was faul, oder?
    Egal, ihr habt es geschafft, großartig!
    Viel Glück.
    Rüdiger

  • #2

    Viola (Freitag, 06 Oktober 2017 15:39)

    Aus der Zeit vor dem Euro erinnere ich natürlich auch noch einige komplizierte und abenteuerliche Wechselgeschichten, aber sooo kompliziert war es nie.
    Ich war aber auch nie ausserhalb von Europa ( okay, USA, aber da war das kein Thema)
    Mich hätte das definitiv überfordert, glaub ich zumindest �

  • #3

    Eros (Sonntag, 17 Juni 2018 16:22)

    Das mit wechseln am Schearzmarkt ist heute auch nich so!
    Ich war am Anfang auch etwas verwirrt , und glaubte i werde nun beschissen, doch es ist das beste was uns passieren hat können, damit wir was für unsere Dollars bekommen

  • #4

    Timo (Freitag, 03 August 2018 14:15)

    Was ist ein 10000 manat Schein werden???