Unsere ersten Tage in Kambodscha

Wir verlassen Laos am 18ten März nach 40 Tagen im Land.

Unsere ersten Tage in Kambodscha sind vielfältig und vor Allem heiß.

Wir verlassen Laos am 18ten März nach 40 Tagen im Land. Einmal mussten wir dafür unser Visum verlängern. Das hat etwa 20 Euro pro Person gekostet.

 

Nun stehen wir an der Grenze zu Kambodscha und die laotische Beamtin möchte 2 Dollar pro Person von uns haben.
Wofür? fragen wir.
Stempel-Gebühr sagt sie.
Aha. Ich muss also bezahlen um den Ausreisestempel zu bekommen. Wir haben in Laos keinen Vergnügungspark besucht, aber vermutlich hätte man dort auch Austrittsgeld von uns haben wollen.

Das Visum für Kambodscha kostet uns 38 USD pro Person. 8 mehr als wir gelesen hatten. Der Typ wirkt aber sympathisch, so dass wir ihm keine Korruption unterstellen. Denn man weiß ja: korrupt sind nur unsympathische Menschen.

Das Land empfängt uns mit affiger Hitze. Da wir kaum im Schatten radeln, bekommen wir die volle Ladung Wärmestrahlung unseres Lieblingssterns ab. 45 Grad etwa. Unsere zweite Frühstückspauae können wir auch nicht genießen, weil der ganze kambodschanische Waldboden voller aggressiver Ameisen ist.
Gerade wegen der Hitze erscheint uns eine Nacht im Zelt als wenig verlockend. Ohne kühlen Luftstrom einer Klimaanlage oder eines Ventilators hält man es einfach nicht aus. Also beißen wir in den sauren Apfel und stellen uns auf über 60km nach der Mittagspause ein um die nächste Stadt zu erreichen. 

Etwas spät und müde erreichen wir dann gegen 19 Uhr Stung Treng und checken für 7 Dollar pro Nacht in ein Gasthaus ein.
Den folgenden Tag verbringen wir in der Stadt und organisieren Bargeld sowie eine kambodschanische SIM Karte für unser Handy. Fast in jedem Land holen wir uns auf diese Weise mobiles Internet aufs Telefon. Ist einfach praktisch.

Wir lassen noch ein paar Nähte an unseren Hosen und Schuhen in einer Schneiderei reparieren, trinken Eiskaffee und Zuckerrohrsaft.

Der nächste Tag ist genauso heiß. Wir brechen auf nach Kratie, welches etwa 150km entfernt ist. Zwischendurch gibt es keinerlei Unterkünfte. Wir haben allerdings von anderen Radlern gehört, dass etwa auf halber Strecke ein Tempel sein soll. Den finden wir auch auf unserer Karte und steuern ihn an.
Wir radeln wieder durch das ländliche Kambodscha und sehen unterschiedlichste Behausungen. Viele leben in sehr einfachen Holzbuden, andere haben relativ modern aussehende, große Holzhäuser. Die meisten stehen auf 3m hohen Pfählen, so dass darunter jede Menge schattiger Platz entsteht. Dort scheint das Leben auch hauptsächlich stattzufinden. Es wird gegessen, gekocht, in der Hängematte gelegen.
Die Kinder winken und rufen "Hello!" mit aller Kraft. Es ist auf Dauer anstrengend immer wieder zurück zu rufen, zu Hupen, zu winken. Aber man kann die kleinen ja auch nicht enttäuschen.

 


Gegen 11 Uhr überholen wir einen kleinen Jungen, der sein Fahrrad schieben muss. Keine Luft im hinteren Reifen. Ich frage mit Gesten und dem internationalen Geräusch für Luftpumpe, ob er Luft bräuchte. Es könnte ja auch sein, dass der Reifen gänzlich kaputt ist und eine Pumpe nichts brächte. Aber er nickt.
Mit viel Schweiß bringe ich wieder Luft hinein und der kleine bedankt sich etwas eingeschüchtert vom großen Typen mit Helm und verspiegelter Sonnenbrille bevor er davon saust.
Wenig später treffen wir ihn wieder am Straßenrand. Die Kette ist vom Ritzel gesprungen. Ich muss eine ganze Weile fummeln bevor ich sie wieder auf das Zahnrad heben kann.
Sie hängt viel zu sehr durch und wird wohl bald wieder raushüpfen. Ich versuche noch schnell die Kette zu spannen - ohne großen Erfolg. Am liebsten würde ich zwei Glieder heraus nehmen, dann wäre sie wieder gut straff. Doch das hätte zu lang gedauert und die Gefahr, dass der Junge dann gar keine funktionstüchtige Kette mehr hat, ist durchaus gegeben.
Er düst wieder davon und wir freuen uns ihm halbwegs geholfen zu haben.
Es wird Mittag und damit immer heißer. Wir suchen nach etwas Essbaren am Straßenrand. Am besten ein Lokal mit Hängematte für einen anschließenden Mittagsschlaf. So etwas gibt's hier - haben wir schon mal gesehen.
So richtig fündig werden wir aber nicht. Es fällt uns auch schwer private Küchen von denen zu unterscheiden, die das Essen auch verkaufen. 
Stühle und Tische sehen gleich aus und auch die Art des Gebäudes gibt kaum Aufschluss darüber.
Lena steigt dann irgendwann vom Rad, schaut in eine Art Hof, wo Töpfe, Tische, Menschen, Besteckkörbe, etc zu sehen sind und macht fragend die Handbewegung für Essen in den Mund schaufeln.
Diese Geste wird bejaht, wir bekommen einen Platz für Emma und Emil gezeigt und werden an den Tisch gewunken.
Irgendwie erscheint es uns schon nach kurzer Zeit so, dass wir uns wohl gerade selbst bei einer Familie zum Mittagessen eingeladen haben.
Wir bekommen zwei Teller mit Reis und eine kleine Schüssel mit wer weiß was hingestellt. Es sind viele kleine Fleischstückchen, gehackte Chilli, Ingwer, Zitronengras oder so ähnlich darin. Das Fleisch ist kaum essbar. Unglaublich viele unterschiedliche Konsistenzen, Knorpel, kleine Knochen und Dinge, die man nicht identifizieren kann.
Die Sprache in Kambodscha heißt Khmer, genauso wie das Volk. Unser Khmer hält sich natürlich stark in Grenzen und wir versuchen zu erfragen was wir da eigentlich essen. Die Frauen zeigen auf den Wald auf der anderen Straßenseite, womit wir natürlich nichts anfangen können. Es beginnt ein Ratespiel, was irgendwie an "Wer bin ich" erinnert. Wir erfragen uns mit Gesten, ob das Tier klein oder groß ist, ob es einen Schwanz hat, ob es läuft oder fliegt, ob es an Bäumen hoch kriechen kann.
Unser Ergebnis ist ein kleines Tier mit Fell und Schwanz, dass Bäume hochklettern kann. 
Im Internet lesen wir später, dass die Khmer-Küche viele, kleine Tiere, die man im Wald fangen kann serviert. Fledermäuse, Frösche, Mäuse, Ratten und Co.
Auch Eichhörnchen gehören dazu, die haben wir auch schon auf einem Markt gesehen. Unsere gesammelten Merkmale treffen auch durchaus auf diese putzigen Nagetiere zu. Allerdings können auch Ratten Bäume hochklettern. Was stellt man sich lieber vor, wenn man auf kleinen, knochigen Stückchen herum kaut? Hörnchen oder Ratte? Nun ja, irgendwie schmecken tut es auf jeden Fall. 
Die Familie versucht sich mit uns zu unterhalten und lacht über unsere langen Nasen. Ich beglücke eines der Kinder noch mit Seifenblasen und uns werden noch Fischsuppe und eiskaltes Wasser gereicht. Wir werden sogar noch mit einem Zuckerrohrsaft vom Stand gegenüber beschenkt.

Bevor es weitergeht fragt Lena noch ob wir die Liegefläche der Familie nutzen dürfen um uns kurz hinzulegen und zu schlafen.
Die Liegefläche ist nichts weiter als ein Podest auf etwa 50cm hohen Beinen und etwa 2x2m groß.
Schnell bringt man uns bunte Decken und Kissen.

 

Nun liegen wir da, irgendwo in Kambodscha bei einer Familie im Hof, zu denen wir uns selbst eingeladen haben, und machen erstmal Mittagsschlaf auf deren Liegefläche. Super!

Gegen halb drei geht's dann weiter Richtung Tempel. Wir haben schon oft gehört, dass es möglich ist in Südost-Asien in Tempeln zu nächtigen. Das wollen wir aus gegebenem Anlass jetzt auch probieren.
Wir erreichen ihn kurz vor Einbruch der Dunkelheit und finden 5 junge Mönche auf dem Grundstück vor. Auch nach längerer Zeit erscheint kein Erwachsener.
Mit Gesten verständigen wir uns wieder hin und her, bis wir verstehen, dass wir in einer Ecke des kleinen Häuschens schlafen können, vor welchem wir die Jungs angetroffen haben.

Wir kommen uns etwas seltsam vor. Die jungen Mönche spielen Fußball während wir kochen. Irgendwann kommt noch ein, nicht so sehr nach Mönch aussehender, Jugendlicher
auf dem Moped daher und später erfahren wir noch, dass der älteste hier 16 Jahre alt ist. So recht verstehen wir die Lage nicht. 
Das Tor des Grundstücks wird verschlossen und wir verkriechen uns bald in unsere Ecke. Zum Glück gibt es einen Ventilator. Warm ist es trotzdem. Es fängt an zu gewittern und heftig zu regnen.
Die Nacht ist unruhig und wir werden von Mücken zerstochen. Schließlich schlafen wir mehr oder weniger ungeschützt draußen, da es sich bei unserer Ecke eher um einen Flur eines Hauses ohne Tür handelt. 
Die Lage mit den jungen Mönchen, die alleine auf dem recht großen Grundstück herum laufen wird uns später erklärt. 
Die Tempel heißen hier Pagoda und man nennt sie Pagoda-Boys (in Khmer sicherlich anders). Es sind Jungs, die entweder keine Eltern mehr haben oder in so schlechten Verhältnissen leben, dass sie hierhin geschickt werden. Unterkunft und Essen werden gestellt, dafür kümmern sie sich um die ganze Anlage und bereiten das Essen für die "echten" Mönche zu, die nicht mit auf dem Grundstück wohnen. 
Am nächsten Morgen beschließen wir das Frühstück anderswo zu uns zu nehmen weil wir uns in der Pagoda irgendwie nicht willkommen bzw. unangenehm beobachtet fühlen. 
Kaum einen Kilometer bietet sich dafür wieder eine dieser Liegeflächen vor einem Haus an. Es sieht alt und unbewohnt aus und nach fragenden Blicken unserseits Richtung Nachbar kommt dieser sogar noch an und fegt den Dreck für uns davon. 
Während wir kochen und essen werden wir beobachtet. Diesmal allerdings nicht so unangenehm. Schwer zu erklären wie man sich so unterschiedlich fühlen kann, je nach Art und Weise auf die man angeschaut wird. 
Nach ein paar Minuten späht eine der Nachbarinnen durch die Schlitze der Bretterbude hinter uns und sagt sogar etwas. 
Oh - da wohnt wohl doch jemand! Die Tür geht auf, ein junger Mann schiebt seinen Roller an uns vorbei und begrüßt uns auf englisch!
Wir haben vor den vier Wänden des örtlichen Geografielehrers gegessen. Irgendwie lustig, weil dieser das auch als völlig normal akzeptiert hat. Wir reden 2 Minuten und dann fährt er los, zu Schule. Zur anderen Straßenseite. Sehr faul wie wir finden. 

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann Kratie und lassen uns in einem schönen Gasthaus direkt am Mekong nieder. Hier werden wir erstmal 4 Nächte bleiben.
Stefan

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Kommentare: 3
  • #1

    Harald und Anke 26.April (Donnerstag, 26 April 2018 19:48)

    Diese Hitze muß ja schwer zu ertragen sein. Jedenfalls würde es uns so gehen.
    Aber wir könnten das was ihr macht ja sowieso nicht meistern.
    Alles Gute wünschen euch Harald und Anke.

  • #2

    Rüdiger Miertschink (Freitag, 27 April 2018 00:16)

    Einer der krassesten Berichte, die ihr während der Reise geschrieben habt. Anfangs dachte ich, Lena wäre der Verfasser. Wegen der Sache mit den Gebühren. Lena der Sparfuchs, wie wir alle wissen, regt sich dann über solche "unberechtigten" Gebühren auf. Dann aber dachte ich so, nein, hat Lena ihren Schreibstil so geändert, kann sie so hin- und hergeworfen schreiben? Vermutlich ja. Aber dann habe ich vorab mal ans Ende des Beitrages geblättert: Aha, Stefan hat das geschrieben. Sarkasmus ist ja noch harmlos dagegen. Vermutlich hätte ich genauso oder noch aggressiver reagiert.
    Mein Eindruck: Kambodscha liegt zwar zwischen Laos und Thailand (zwei eigentlich ganz normale Länder) und ihr habt auf eurer Reise schon jede Menge gesehen und erlebt, aber Kambodscha war irgendwie ganz neu für euch: noch mehr Hitze als je zuvor, keine so rechte Unterkunft, unklare Dinge (wie z. B. das mit den kleinen Mönchen), was ist in dem Essen?, der faule Lehrer, unangenehme Blicke, ...
    Aber ansonsten großartig, wie ihr das wieder gepackt habt! Ich weiß nicht, ob ich bei so was immer noch die Ruhe hätte...
    Weiterhin viel Glück.

  • #3

    Rico (Mittwoch, 02 Mai 2018 13:13)

    Oh man, ein sehr interessanter Bericht. Krasse Erlebnisse. Ic schließe mich Stefans Vati an, ich wüsste nicht ob ich die Ruhe und Gelassenheit für bspw das Kloster etc gehabt hätte.
    Auch wenn man gefühlt die gesamte Zeit beobachtet wird.
    Ich ziehe wie immer meinen Hut vor euch Zweien