(Zwischen) - Zielerreichung

Tonsai Beach. Da wollten wir ursprünglich hin und nun ist es zu einem weiteren kleinen aber dennoch bedeutendem Stop auf unserer Reise geworden.a
Wir sind tatsächlich am Tonsai Beach angekommen! Und machen wir Luftsprünge? Irgendwie nicht. 
Schon die Tatsache, dass wir nicht schon direkt Vorgestern nach Ao Nang radeln konnten hat unsere Stimmung gedämpft. Wegen Emmas Hinterradfelge mussten wir erst nach Krabi und damit zunächst am eigentlichen Ziel vorbei fahren. Dort saßen wir dann einen Tag auf Abruf um am Ende festzustellen, dass unser Plan die Felgen von vorn und hinten einfach zu tauschen nicht aufgeht, da die Felgen unterschiedlich viele Speichen haben.  

 

Die Anfahrt am nächsten Tag nach Ao Nang läuft reibungslos und entgegen der Angaben von MapsMe auch ohne großen Anstieg. Unterwegs finden wir noch eine Bakery mit ansatzweise dunklem Brot und Croissants, freu.   
Unsere anfänglich sehr entspannte Überfahrten - wir konnten in aller Ruhe die Räder und das Gepäck auf das Boot verladen - endet leider mit stressigem Abladen auf Steinen im Wasser und mit Erstversorgung einer dabei entatehenden, tiefen Schnittwunde an Stefans Fuß. Das Tonsai Beach nicht mehr unbedingt mit Stefans Erinnerungen zusammenpasst liegt nicht an seiner Vergesslichkeit, sondern leider vielmehr daran, dass fast der gesamte Strand und ca 75% der Landfläche von einer fetten Mauer umschlossen wurde. Auf diesem Gelände soll angeblich ein Luxus Resort entstehen. Das trübt nicht nur das Ankommen, sondern mindert leider echt die Qualität der gesamten Bucht, zumindest für nicht kletternde Besucher. Diese und auch die zwei Nachbarbuchten sind ein Paradies für Kletterer. Viele Felswände mit unterschiedlichsten Kletterrouten  gibt es hier. In der Region gibt es außerdem noch einige Spots für "deep water solo climbing", bei dem ohne Seil an einem steilen Felsen über dem Wasser geklettert wird. Wer den Halt verliert, wird einfach nur nass. Aber immerhin ist unsere gewählte Unterkunft, die einzige mit Pool, die Richtige. Wir bekommen sogar ein Upgrade und damit das viel bessere Zimmer zum niedrigen Preis, was Upgrade nunmal so heißt.
Im Pool dümpeln wir so vor uns hin, fragen uns warum wir uns fühlen wie wir uns fühlen. Ja wie geht's uns? Wir sind tatsächlich ganz froh, dass dies nicht mehr unser Ziel ist. Zum einen da diese Ankunft echt mies gewesen wäre und zum anderen, da eine Zielerreichung ja auch den traurigen Beigeschmack hat, dass die Reise, diese Zeit, dieser Ausnahmezustand, der aktuell unser Leben ist, dann vorbei ist. Und gleichzeitig lässt es uns natürlich auch an zu Hause denken, an euch alle daheim gebliebenen die wir so lange nicht mehr gesehen haben. Unsere Freude über das Erreichen unseres (zwischen) - Ziels, hält sich also in Grenzen. 
Den nächsten Tag tüdeln, reparieren, schwimmen, kuscheln mit unserer heimlich reingeschmuggelten Katze namens Müsli, schlummern und schlemmen wir. Für morgen ist Kayak fahren geplant. Also stehen wir früh auf um dann nach dem Frühstück, wie zwei begossene Pudel drein zu schauen, da es von Null auf Hundert wie aus Eimern schüttet. Mist. Immerhin unsere Müsli freut sich über unsere Zwangszimmerzeit. 
Nach dem Mittag schnappen wir uns die Postkarten und gehen runter in die einzige Strandbar, die es noch gibt, der Himmel ist grau aber es ist trocken. Doch der Strom ist aus - also keinen Cafe, keine Shakes, nur Coke und co. Und schon wieder sind wir down. Und das nur weil wir an der Strandbar nicht das richtige Getränk bekommen? Mag sich jetzt tatsächlich ziemlich bescheuert anhören, aber unsere Grundstimmung ist leider nicht sehr positiv und sehr labil. Wir gehen zurück, ziehen Badesachen an und lassen uns am Strand mit Wasser und Keksen nieder. 
Wir dümpeln im Meer und lassen uns von den Wellen hin und her treiben. Uns kommen Zweifel, was machen wir falsch? Wie können wir unsere Einstellung ändern? Das Gefühl, dass es seid Siem Riep in Kambodscha irgendwie nicht mehr richtig läuft, der Spaß fehlt, irgendwas immer ist, sei es bei uns oder den Eseln, es nicht mehr rollt, lässt uns nicht los. War es die richtige Entscheidung noch bis Singapur zu radeln? Hätten wir nicht lieber doch noch woanders hin fliegen sollen? Nein. Umdenken heißt die Devise. Doch wie so oft ist das leichter gesagt als getan. 
Der erste Schritt ist die Entscheidung einen weiteren Tag zu bleiben und morgen dann auf jeden Fall Kayaks zu mieten. Außerdem gönnen wir uns heute erstmal noch eine Massage. 
Gesagt, getan. Während ich auf dem Bauch liege und mit halbem Auge sehen kann, was die alte Frau mit ihren kräftigen Händen bei Stefan tut, läuft auf meinem Rücken eine kleine, nur wenig  jüngere Thailanderin auf und ab. Mir bleibt zwischendurch fast die Luft weg, während sie sich fröhlich mit der Anderen unterhält. Wobei sie glücklicherweise eine sehr angenehme Stimmlage hat und sich ihre Unterhaltung schon zwischenzeitlich wie beten anhört. Aber der Druck der von den Füßen in meinen Rücken übertragen wird überzeugt mich davon, dass sie nocht bei der Sache ist. 
Wir hatten uns bewusst gegen eine Thai Massage entschieden doch am Ende bekommen wir auch davon noch eine kleine Gefühlsprobe. Gut durchgeknetet und geknackt geht's zurück ins Zimmer. 
Wir haben uns richtig entschieden, wie eigentlich auch schon so oft, denn am nächsten Tag ist strahlenster Sonnenschein. Bewaffnet mit allem, was wir zum Kanufahren und Strandlümmeln benötigen geht's aufs Wasser. Überall ragen riesige, beeindruckende Kalksteinfelsen aus dem Wasser. Wir paddeln an der nächsten Bucht vorbei, um Felsen herum und zwischen ihnen durch. Wir lassen verbotener Weise Eva ein wenig fliegen um einen Eindruck von oben zu gewinnen. Danach steuern wir den angeblich schönsten Strand an. Zurecht. Weißer Sand und türkis klares Wasser, keine nervigen Verkäufer, dafür ein "Fressbrot" mit einer riesigen Auswahl, denn auf dem Strand wird das Verkaufen strikt verboten. Wir bleiben spontan den ganzen Tag und genießen einen Touritag am Strand. Auf dem Rückweg haben wir dann mächtig mit den Wellen zu kämpfen. Unseren Tag lassen wir in der Chilloutbar mit Jenga spielen, Burger essen, Bier trinken, Slackline und Feuershow ausklingen. 
Auch den nächsten Tag bleiben wir noch und beginnen diesen mit einem ausgiebigen Frühstück. Stefan bestellt sich ein American Breakfast dazu gibt's Obst mit Crunchy und Joghurt. Ich bekomme den wohl dicksten pancake mit Nüssen, den ich je gegessen habe. Später "wandern" oder besser kraxeln wir noch über die Felsen zum Nachbarstrand und chillen, schwimmen und genießen Fruitshakes und Wraps. Zurück gehts dann irgendwie querfeldein am Rand der Ebbe entlang. Wir essen noch einmal fried Tofu mit Salat in unserem Stamm-Restaurant, kuscheln nochmal mit Müsli und dann geht's schlafen. 
Am nächsten Tag verlassen wir Tonsai Beach wieder per Boot. Auch wenn uns diese Rückfahrt leider mehr als da doppelte kostet als die Hinfahrt, hatten wir letztlich schöne Tage. 
Lena

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