Kashgar - 3x chinesisch an einem Tag

China - 17.10.2017

Unsere Einfahrt nach Kashgar ist ausnahmsweise mal eine sehr angenehme, schöne und fahrbare Strecke (da macht MapsMe ja auch gerne mal Unfug). Wir kommen uns ein bisschen wie in einem Urlaubsort vor. Viele leise Roller huschen an uns vorbei und die Sonne scheint. Unser Hostel liegt in der sogenannten Altstadt. Sie ist keine richtige Altstadt mehr, da die chinesische Regierung zwei Jahrzehnte damit zugebracht haben Häuser abzureißen um hier eine neue Altstadt aufzubauen. Dieses Vorgehen nennt man hier auch Restauration. Es ist schön aber eben unecht und sehr touristisch!

 

Chinesisches Kaufhaus
Es ist morgens um 10:30 Uhr Beijing Zeit und ja, ihr habt richtig gelesen. Wir sind tausende Kilometer von Beijing entfernt und trotzdem gilt in ganz China nur eine Zeitzone! Da die Region Xinjiang aber soweit im Westen liegt gibt es es hier eine inoffizielle Zeit, diese liegt 2 Stunden vor der Beijing Zeit! Deshalb ist es auch unbedingt notwendig bei Zeitangaben immer nachzufragen, welche der beiden Zeiten gemeint ist. Alle offiziellen Stellen richten sich nach der Beijing Zeit. Dem müssen wir uns anpassen, denn die Sonne kommt hier erst gegen halb zehn an unserem Zelt an! Und im dunklen wollen wir ja auch nicht losfahren.
Aber zurück zum Thema. Ich stehe hier und warte, mit mir warten eine Handvoll ungeduldiger Chinesen darauf eingelassen zu werden. Drinnen ist es noch recht dunkel und es wird fleißig geputzt. Irgendwann ist es dann doch so weit und das Wachpersonal öffnet die Drehtür. So schnell kann ich gar nicht gucken, wie sich die handvoll Menschen durch die diese gedrängt haben.
Drinnen werde ich von Frauen mit roten Scherpen um, im Spalier stehend mit einem chinesischen Chor begrüßt. Etwa eingeschüchtert Antworte ich "Nihao", worauf eine noch schnell und leise ein "welcome" hinterher wirft. Ich steuere auf die Rolltreppen zu und bin froh darüber, dass ich weiß wo ich hin muss. In jedem Geschoss muss ich einmal um die Rolltreppe herum und damit vorbei an all den kleinen Läden.  (nebenbei: hier gibt es keine gemeinsame Kasse wie bei Karstadt, jedes "Geschäft" hat seinen eigenen Verkaufstresen) Vor jedem einzelnen stehen 2-3 VerkäuferInnen Stock steif und wieder mit Scherpen begangen und verziehen keine Miene! Die einzige Bewegung scheint die Putzkolonne machen zu dürfen. Auf den Rolltreppen hocken Frauen und fahren mit Lappen links und rechts in den Händen, die Seiten wischend, hoch und runter. Alles ziemlich skurril. Im Hintergrund läuft Musik die sich ein bisschen wie eine Hymne anhört. Warum ich das denke? Muss an der Melodie liegen.
Ich komme endlich im 5ten Stockwerk an und steuere auf die Outdoorabteilung zu. Dafür muss ich durch die Sportabteilung. Hier sind alle ein bisschen lockerer, einige Mundwinkel weisen ein Lächeln auf andere kichern förmlich. Der Shop meiner Wahl kommt in Sichtweite und tatsächlich bewegt sich die Verkäuferin. Flink steuert sie auf das Zelt zu und zeigt den Footprint hervor. Tippt nochmal den Preis in den Taschenrechner und ich bezahle. Ohne jeglichen Rechnungsbeleg mache ich mich auf zur Rolltreppe wieder in jedem Stockwerk vorbei an den, wie Puppen erscheinenden,  Frauen vorbei. Im ersten Stockwerk angekommen wechselt die Musik schlagartig und es kommt Leben in das Haus! Plötzlich komme ich mir vor wie in einem riesigen Kaufhaus -  nur eben in China ☺️
Am Ausgang steht nur noch das Wachpersonal und schon bin ich draußen. 
Später erfahre ich, dass es sich hierbei um den Montags Appell gehandelt hat. Selbst die Kinder in der Schule stehen zu gleichen Zeit auf dem Schulhof zum Apell. Interessant! 
Einkaufen 
Mittags sind wir noch in einem riesigen unterirdischen Supermarkt einkaufen. Riesengroß und super lang. Man muss seine Tasche in ein Schließfach am Eingang einschließen. Nichts ahnend machen wir das, arbeiten uns durch die Reihen, weil ist ja alles neu, unbekannt und so viel & gleichzeitig dann doch auch nichts von Allem. Am anderen Ende angekommen, stehen wir ziemlich doof da mit unserem Einkauf und den Nummern unserer Schließfächer. Doch welchen Ausgang wir auch ansteuern unsere Schließfächer sind nicht dabei. Und es sieht auch nirgends so aus wie ich den Eingang in Erinnerung habe. Ich frage eine Verkäuferin, die daraufhin fleißig mit uns mit sucht und noch zwei weitere Helfer akquiriert. Aber alles suchen hilft nicht. Wir kapieren irgendwann, dass dieser Supermarkt anscheinend zwei Kassenbereiche hat. Doch dies zu erklären, unmöglich. Dass selbst die Angestellten nicht darauf kommen, dass der dumme Tourist einfach am falschen Ende des Marktes sucht, beeindruckt uns. Wir versuchen wieder durch den Markt an das andere Ende zu laufen. Nur das lässt ein kleiner, garstiger Wachmann nicht zu. Irgendwann, ziemlich entnervt, bedanken wir uns und verlassen den Laden über eine Treppe nach oben, dort laufen wir dann den ganzen Weg oberirdisch wieder zurück, Treppen wieder runter und da sind auch unsere Schließfächer! Unweit davon hängt sogar eine Übersichtskarte des Marktes, doch als ich diese fotografiere kommt sofort ein Wachmann angelaufen und fordert mich auf das Bild zu löschen. Schade! 
Kochen im Hostel
Abends gehen wir mit Kocher & all dem frischen Gemüse in den Innenhof unseres Hostels um dort was leckeres zu kochen. Nagut, ich koche und Stefan macht Dinge auf dem Computer. Mein Schnibbeln bleibt nicht lange unbemerkt. Gestern haben wir hier auch andere beim Kochen gesehen, aber das waren Chinesen. Das nun eine eindeutige Eurpäerin dies tut scheint ganz phänomenal zu sein. Ich hocke neben dem Tisch, auf dem Boden und koche ein Ratatouille. Während ich das tue stehen inzwischen ca. 5 Asiaten um mich herum und kommentieren, fotografieren und freuen sich über mich. Da komme ich mir schon ein wenig seltsam vor. Dass wir mit unseren Rädern Aufsehen erregen okay, aber mit kochen, in einem Hostel??? 
Kosten möchte dann am Ende keiner. Aber sie haben sich alle gefreut und das ist doch schon mal was! 
Am nächsten Tag, als ich den Rest noch einmal mit Reis aufwärme, fragt mich ein anderer Gast ob wir etwa Vegetarier seien, da wir immer hier kochen. Mhmm interessanter Gedankengang. 
Wir können euch beruhigen: inzwischen stürzen wir uns regelrecht auf die Garküchen. Und ja es ist ein fleischarmes Jahr aber wir sind keine Vegetarier! 
Lena 

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Kommentare: 3
  • #1

    Gaby (Montag, 27 November 2017 19:13)

    Das "Rankgitter"im Hof des Hostels ist sehr interessant.
    Hat der eine Motarradfahrer sein Haustier im Käfig auf dem Gepäckträger?
    Die Nachtmärkte kennen wir aus Malaysia. Zur Fastenzeit gehen da abends die Einheimischen essen.

  • #2

    Alles in 12 Taschen (Dienstag, 28 November 2017 15:14)

    Ja der verrückte Motorradfahrer hat dort tatsächlich sein Haustier drin! Seinen Hund!!!

  • #3

    Viola (Dienstag, 12 Dezember 2017 21:42)

    Lustig, das mit dem Käfig wollte ich auch fragen, obwohl das ja nun nicht sofort ins Auge fällt. Erscheint aus europäischer Sicht schon skurril, was du da so berichtest.