Frachtschiffreise Singapur - Athen - Fahrradweltradreise

ganz unten findet ihr ein kurzes Video

Mal kurz zu unseren Sorgen, die wir im Vorfeld hatten:

Räder mit viel Gepäck sind bzgl. Transport oft ein Problem. Die Räder selbst und 12 einzelne, schwere Taschen müssen bewegt werden. Im Prospekt stand, dass man kein Empfangskommando am Hafen erwarten sollte weil natürlich alle mit der Ladung beschäftigt sind. Wir haben auf Fotos gesehen wie schmal die Gangway, also die Treppe rauf zum Deck des Schiffes, ist. 

Uns wurde gesagt, dass die Räder ggf. mit in die Kabine müssen, weil es keinen dedizierten Platz für großes Passagiergepäck an Board gibt. Offiziell seien auch nur maximal 40kg Gepäck und keine großen Gegenstände erlaubt - Fahrräder seien aber irgendwie OK. Wir hatten also keine Ahnung welch Chaos und Hektik uns erwarten könnte. Geht einer erst ohne Taschen vor und lässt sich den Weg zeigen, kommt dann runter, geht erneut mit Rad nach oben und man wechselst sich immer ab um die Sachen nicht unbeobachtet am Hafen stehen zu lassen? Sollten wir die Räder besser komplett zerlegen? Ist ja nicht gerade viel Platz in diesen Schiffen Wie kommen wir überhaupt auf das Hafengelände? Man kann ja nicht mal eben so bis vor ein Containerschiff radeln, oder? 

Uns haben unglaublich viele dieser logistischen Fragen beschäftigt. Es ist halt doch etwas anderes als zu fliegen. Völlig unbekannt. Wir hatten sogar Sorge davor wie das Ankommen in Europa werden wird. Wo und wie werden wir den Hafen in Athen verlassen können?

Die Agentur hat uns viele der Fragen beantworten können uns teilweise aber auch auf den Hafenagenten verwiesen. Allein dieses Wort haben wir zum ersten Mal gehört. Wir haben Email Adresse und Telefonnummer der Hafenagenten in Singapur und Athen bekommen und irgendwie, halbwegs alles mit denen geklärt. Alles freundlich und mehr oder weniger schnell. Dennoch blieben wir sehr sehr aufgeregt. Schon um die Reise zu "buchen" mussten wir großen Aufwand betreiben. Ärztliches Attest besorgen, Gelbfieber Impfung in Bangkok holen und unglaublich viele Formulare ausfüllen. 

Jetzt sollte es also losgehen. 

 

Am Morgen des 1. Juni 2018 holt uns ein ausreichend großes Auto ab. Das hat schon mal gekappt. Wir haben die Vorderräder unserer Esel abgebaut und beide mit etwas Folie umwickelt. Schon jetzt sind wir stolz auf diese Entscheidung. Ohne diese hätte es hier schon zu Platzproblemen geführt. 

Wir werden an einer Art Sicherheitscheck für das Hafengelände rausgelassen und müssen alles inklusive Räder 200m weit tragen um dann in einem kleinen Gebäude etwa 1 Stunde zu warten und das Gepäck NICHT scannen zu lassen. Wofür haben wir es dann gerade hierher gebracht?

Irgendwas klappt mit dem Computersystem nicht. Wir können nicht angemeldet werden oder so ähnlich. Unser Taxi wartet derweil schon auf der anderen Seite des Gebäudes um uns weiter über das Gelände und bis zum Schiff zu fahren. 

Wir sitzen nun da und sind ein wenig angespannt. Wenn jetzt irgendwas nicht klappt... Das Schiff wartet bestimmt nicht auf 2 kleine Passagiere...

Während wir da so sitzen und warten laufen mehrere Leute durch den Check, die nicht wie Passagiere aussehen. Es sind Crewmitglieder, die wir später auf dem Schiff noch wiedererkennen werden. 

Irgendwann klappt dann aber doch alles und wir müssen wieder alles einladen. Das hat ja jetzt schon mal nicht so reibungslos funktioniert. 

 

 

Wir brettern über das Gelände. Vorbei an unzähligen Containern, die in scheinbar chaotischer Reihenfolge herumstehen bzw. liegen. Es sausen Lkw mit oder ohne Container an uns vorbei oder wir an ihnen. Wir versuchen zu erkennen wohin wir fahren, welches Schiff unser Schiff ist. Wir sind uns nicht sicher bis wir ganz klar einen riesigen blauen Bug mit der Aufschrift CMA CGM URAL sehen können. In diesem Moment zieht der Fahrer auch schon nach rechts und hält vor der Gangway. Jetzt wird es spannend. 

Wir laden aus und werden von einem jungen Mann in Uniform begrüßt. Er hat asiatische Gesichtszüge. Vermutlich ein Chinese. Ich frage nach seinem Namen nachdem ich bestätigt habe, dass wir Passagiere sind. Zang oder so ähnlich sagt er mit einem schmalen Lächeln im Gesicht. Er ist ruhig und sehr höflich, was ein Segen für unsere angespannten Gemüter ist. Ein weiterer Seemann mit Helm und weit weniger schicker Kleidung poltert die steile Treppe zu uns herunter. Unser Gepäck wird geschnappt, wir schnappen uns die Esel und gemeinsam geht's hinauf. Ganz einfach. Oben angekommen stellen wir die Sachen kurz ab und müssen irgendwas unterschreiben. Danach geht's in den Aufenthaltsturm. Das ist dieses weiße, hohe Ding zwischen all den Containern. Das, wo keine Abgase rauskommen. 

Jetzt stehen wir in einer Art Flur und stellen erneut alles ab. Zang ist immer noch ganz ruhig und überlegt laut mit leiser Stimme, was mit unseren Rädern gemacht werden könnte weil sie in der Kabine recht viel Platz in Anspruch nehmen würden.

Wahnsinn. Das war alles voll easy. Ein Selbstläufer quasi. Keine Hektik, keine Probleme. Alles ganz einfach. Wir sind auf dem Schiff. Unser Gepäck ist auf dem Schiff. 

 

Wir fahren mit Zang, den wir später nur noch "Chief" nennen werden im Fahrstuhl bis zum C-Deck. Hier gibt es 3 Passagierkabinen, die Kabine für den ersten Offizier (das ist Zang bzw. Chief) und den ersten Ingenieur, den wir später nur noch intern Vielfraß nennen werden. 

 

Kurz darauf werden wir gebeten in das Büro des Kapitäns zu gehen. Das wird das einzige Mal auf der Reise sein, dass wir dieses Büro besuchen. Es sieht aus wie ein ganz normales Büro. Schreibtisch, Fenster, Besprechungstisch mit einigen Stühlen. Computer und jede Menge loses Papier gibt es auch. 

Der Befehlshaber des Schiffes ist ebenfalls Chinese und vergleichsweise klein - auch für einen Asiaten. Das macht er aber durch sein Auftreten wieder wett. Autoritär, emotionslos, beinahe arrogant. Wir bekommen unterbewusst schon ein Gefühl, dass er sich nicht übermäßig freut uns an Bord zu haben. An dieser Stelle sei gesagt, dass wir die einzigen Passagiere auf dem Schiff sind. Der Kapitän spricht eher schlecht englisch. An jedes Wort mit mehr als drei Buchstaben hängt er ein "a". 

"I want(a) you to enjoy(a)... " 

Wir verstehen aber so halbwegs was er sagen möchte. Ob wir in Ägypten an Land gehen wollen will er wissen. Schon aus dem Prospekt war uns bekannt, dass wir in Ägypten und Libanon den Hafen ansteuern und dort diverse Stunden verbringen werden. Da uns ein, auf einige Stunden begrenzter, Besuch einer Hafenstadt recht sinnfrei erscheint verneinen wir, dürfen uns es aber auch später noch anders überlegen. Wir müssen nur Bescheid geben und er würde alles vorbereiten. Der Kapitän sagt, dass wir jederzeit auf die Brücke gehen dürfen und uns hier im Wohnbereich des Schiffes frei bewegen dürfen. Wir reichen ihm noch das Pfund an Dokumenten und unsere Pässe bevor wir uns aus dem Büro trollen. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass der Kapitän nicht gerade zu unserem besten Freund werden wird. 

 

"Chief" zeigt uns noch das Esszimmer. Auf einem Schiff wird das Messe genannt. In der Offiziersmesse also werden uns feste Sitzplätze zugewiesen. Wir sitzen am gleichen Tisch wie der Kapitän, Chief und Vielfraß, sowie 4 andere Offiziere. 

 

Wir werden noch diverse andere Sachen an diesem Tag lernen, zuerst aber richten wir uns in unserer Kabine ein. 

 

Stefan 

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Kommentare: 2
  • #1

    Rüdiger Miertschink (Sonntag, 16 September 2018 14:42)

    Frachtschiff #1 bedeutet hoffentlich, dass es Fortsetzungen gibt. Der Teil 1 ist ja man schon spannend. Hätte nie gedacht, dass es so 'n Stress ist, auf so einen Pott zu kommen. Aber hat letztlich ja funktioniert. Mit den Offizieren an einem Tisch, immerhin. Mich erstaunt auch, dass nur ihr beide als Passagiere an Bord ward und das so wenig Platz ist. Aber klar, die sollen Container transportieren und keine Fahrräder. Und wenn schon Fahrräder, dann in Containern...
    Bin gespannt auf die Fortsetzung.

  • #2

    Gaby (Sonntag, 16 September 2018 15:38)

    Ist ja abgefahren!
    So kompliziert hätte ich mir das gar nicht vorgestellt. Habt ihr gar nicht erwähnt im Vorfeld.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung.