kurz vor Singapur

Wir sind um 7 Uhr auf der Straße. Das kleine Städtchen scheint noch zu schlafen. Sämtliche Gassen sind wie leer gefegt. Nach 30km machen wir unseren ersten Stopp und mumpeln Teig-Teilchen. Die Straße ist gut und wir haben Rückenwind. Es ist Wochenende und das merken wir vorallem an den vielen  Rennradfahrer-Gruppen. Unter Radfahrern wird gegrüßt und so hupt uns sogar deren Begleitfahrzeug zu. 

 

Um kurz vor 10 Uhr stehen wir vor einem Radladen in Muar, einem kleinen Städtchen auf unserem Weg nach Süden. Der Laden wurde uns in Kuala Lumpur empfohlen, da wir dort nach neuen Pedalen für Stefan gefragt hatten.

Er hat noch geschlossen, also warten wir. Es beginnt heftig zu regnen und wir sind froh hier rechtzeitig angekommen zu sein. Der Ladenbesitzer kommt und während er das Geschäft öffnet bekommen wir erstmal einen Kaffee von nebenan gebracht. Er hat sogar passende Pedale und lädt uns noch zu einem Chapati (eine Brotart mit Dahl) vom Inder nebenan ein. Bei dem Regen wollen wir eh nicht weiter. Es ist inzwischen fast 12 Uhr und es nieselt nur noch ein wenig - also kein Grund nicht weiter zu fahren. Doch mehr als 5km schaffen wir nicht, denn der Nieselregen wird wieder zu Sturzbächen. Wir finden Schutz unter dem Vordach eines Restaurants und entscheiden uns für ein frühes Mittagessen und hoffen auf eine Regenpause. Wir haben schließlich noch ca. 50km zu fahren. 

 

Was ist heute los? 

Ich will mich ja nicht beschweren, aber auch die noch folgenden 50km fliegen an uns vorbei obwohl wir zwei weitere Zwangspausen wegen sinnflutartigen Regengüssen einlegen mussten. Wir hatten unserem Host gesagt, dass wir frühestens um 19 Uhr bei ihm seien, da wir ja schließlich 97km zu radeln hätten. Tja, da haben wir mal nicht mit unserem Freund dem Rückenwind gerechnet. 

 

Es ist 17 Uhr als wir in Batu Pahat an der angegeben Adresse stehen. Jerry, unser Host, kommt um die Ecke und schließt sein Café für uns auf. Er öffnet nämlich erst gegen 18 Uhr.

In Malaysia leben diverse Volksgruppen. Etwa die Hälfte sind Malaien. Ein knappes Viertel Chinesen und etwa 11 Prozent Inder. 

Jerry ist Chinese. Er trägt eine Brille mit dickem Rand und hat ein paar Fäden am Kinn, die wohl einen Bart darstellen sollen. Er hat noch keine Langzeit-Radreise gemacht, war aber schon mit seinem Tourenrad in Myanmar unterwegs. Wegen des Cafès findet er auch nicht wirklich die Möglichkeit für längere Zeit auf Achse zu sein. Er mag es Leuten wie uns zu helfen und er hat auch die Vorraussetzungen dafür. Über dem Cafè gibt es ein zweites Geschoss. Dort gibt es nur einen großen Raum mit ein paar Möbeln. Es ist kein Bett dabei, was aber klar war und uns auch nicht stört. Alles was wir brauchen ist ein trockener Platz für unsere Matratzen.

Jerry zeigt uns alles und lässt uns dann wieder allein. Da stehen wir nun. Im oberen Stockwerk eines kleinen, super gemütlichen und stilvoll eingereichten Cafés. Überall kleine liebevolle Details. Weiße Wände, tolle rustikale Holzmöbel, hier alte Fotos, da ganze Regalbretter voll mit kleinen Pflanzen, Bücher, handgemalte Postkarten, alte Möbel, eine riesige Fotowand auf grüner Farbe und daneben eine Kreide-Zeichnung eines Fahrrads in Originalgröße. Am schönsten finden wir eine der Deckenleuchten. Ein Drahtesel mit Glühbirne bringt Licht ins Dunkel.

 

Wir sind nicht allein in diesem kleinen Idyll. 5 Babykatzen erobern nicht nur unsere Herzen im Sturm, sondern erklimmen all unsere Sachen und wir müssen aufpassen, dass wir nicht  aus Versehen eine von ihnen in den Taschen mitnehmen. Auch diese kleinen haben, wie fast alle Katzen in Südostasien, nur abgeknickte Stummelschwänze. Doch glücklicherweise ist es nicht so, wie wir bis dato befürchtet hatten. Niemand schneidet hier die Schwänze ab - die Katzen kommen schon so auf die Welt. Das ist tatsächlich genetisch bedingt. Woher dieser Gendefekt kommt ist nicht wirklich klar.

Angeblich hat sich die asiatische Hauskatze recht zeitig von anderen Rassen abgespalten und isoliert weiterentwickelt. Dadurch wurde wohl das Stummel-Schwanz-Gen weiter verbreitet.

Es gibt Studien dazu. Wen es interessiert: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0888754307002510

 

Nach einer erfrischenden Dusche, ein wenig Sport und einer Spielstunde mit den süßen Vierbeinern gehen wir noch in den Supermarkt. Schließlich brauchen wir noch ein Bier für heute Nacht. Ja, der Zeitunterschied macht auch vor der WM keinen Halt und so wollen wir einmal in unserem Leben für ein Deutschlandspiel nachts im 02:00 aufstehen :)

 

Im chinesischen Food-Hawker schlagen wir uns noch die Bäuche voll. Ein wenig nach China zurück versetzt fühlen wir uns dabei schon, da das Bestellen mal wieder überaus kompliziert war. Geschmeckt hat es dann aber letztendlich sehr gut. 

 

Um neun wird das Licht ausgemacht. Doch ca. eine halbe Stunde vor Anpfiff werden wir nicht vom Wecker sondern von den kleinen Rackern aus dem ohnehin leichten Schlaf gerissen. Die kleinen haben einen heiden Spaß daran unsere Füße und Beine zu attackieren, da die Inlets so schön im Wind des Ventilators flattern. Naja - einmal wach platzieren wir uns an die Wand und mit Chips und Bier gucken wir tatsächlich nachts um 2 Uhr das Spiel. Die Internetverbindung schwächelt und die Bildqualität ist vergleichbar mit der Leistung der deutschen Spieler. Das Siegtor kurz vor Schluss entschädigt dann doch noch für das nächtliche Durchhalten. Wir sind gespannt ob sich dieser Schlafentzug morgen nicht rächen wird. 

 

Lena

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