Iran

Zusammenfassung Iran

Ein Rückblick auf unsere Zeit im ersten so richtig fremden Land. EIne Zusammenfassung unserer Eindrücke und Tipps für andere Radler.

 

Wir  waren vom 23. Juli bis zum 15. August im Land

Und hier unsere zurückgelegte Strecken

1035 km geradelt 

1119 km mit Bus und Zug

150 km mit Auto

 

 

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Achtung: Diese Eindrücke zeigen nur unser Bild und wir waren nur im Norden des Landes unterwegs. Andere Teile sind mit Sicherheit ganz anders!

Der Iran. 

Ich weiß nicht wieso wir Deutschen den Drang haben einigen Staaten ein Geschlecht zu geben. Die Mongolei, der Sudan, die Türkei, der Iran. 

Korrekt wäre: islamische Republik Iran. Im englischen Sprachgebrauch wird auch nur von "Iran" gesprochen und nicht von "the Iran". 

Klingt trotzdem merkwürdig: ich war in Iran...  Deswegen also auch hier mit Geschlecht. 

 

Der Iran war ganz besonders für uns.

Die erste richtige Grenze, das erste Visum. Lena mit Kopftuchpflicht und nur noch seltsame Wellen und Striche statt Buchstaben. 

Als sich unsere Zeit im Iran dem Ende neigte, waren wir beide der Meinung, dass wir keinen Fehler damit gemacht haben unsere Route durch dieses Land zu planen, den Iran aber nicht vermissen werden. 

Die Gastfreundschaft der Iraner ist überwältigend. Hier trifft das Wort sehr gut zu. Man wird überwältigt. 

Es ist anstrengend ständig Einladungen abzulehnen. Kommt zu mir nach Hause, esst, schlaft bei mir. Oft erfolgen diese Einladungen nur in rudimentärem Englisch, wenn überhaupt. Nett gemeint, wir haben es aber einmal erlebt stundenlang irgendwo in einer fremden Wohnung zu sitzen und kein Wort miteinander wechseln zu können. Natürlich haben wir dadurch sehr tiefe Eindrücke vom Leben der Familien bekommen und mit Händen, Wörterbuch und Fotos kann man schon ganz witzig kommunizieren, trotzdem sitzt man teilweise stumm herum und weiß nicht weiter. Hinzu kommt, dass wir eigentlich zeitig schlafen gehen mussten um morgens gegen 4 Uhr aufzustehen damit wir noch etwas in der kühlen Luft radeln können. Das kann man so oft sagen wie man will, der Grill wird dann gegen elf trotzdem noch angefeuert. 

Oft verstanden die Leute auch schon im Vorfeld nicht, dass wir noch ein paar Kilometer machen müssen und ihre Einladung nicht annehmen können. 

 

Eine andere Sache ist die Schamlosigkeit mit der Fremde betrachtet werden. Wir stehen irgendwo in einer kleineren Stadt und überlegen was zu tun ist. Innerhalb weniger Minuten stehen 20 Leute um uns herum und gaffen. Sie stehen da und gucken uns an wie Tiere im Zoo. Der Gipfel dieses Verhaltens war eine Situation, in der wir unser Zelt auf einem Feld aufbauten und uns dabei zwei Jugendliche beobachtet haben. 2 Meter von uns entfernt hockten sie und schauten uns an. Selbst als wir nur auf unseren Stühlen saßen und aßen, blieben sie sitzen und schauten uns zu. 

Ja, wir sind Touristen und durch unsere Räder fallen wir enorm auf und gucken ist erlaubt, aber angestarrt zu werden mag niemand. 

 

Penetrante Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft könnte man es nennen. Jeder einzelne meint es gut und freut sich über uns. Für uns aber ist es dann eben das hundertste mal, dass wir sagen müssen, dass wir gerade keine Hilfe brauchen. 

 

 

Auf der anderen Seite ist es als Radler wunderbar hier und da ein paar Sachen geschenkt zu bekommen. Wir haben viele Weintrauben bekommen, sehr viel Tee, Süßigkeiten etc. Das hat nicht immer alles gut geschmeckt, aber im großen und ganzen war das sehr erfreulich. 

 

Wir würden wieder in den Iran fahren, allerdings nicht mit dem Rad. Eine ganz normale Rundreise mit Hotels ist für uns hier die deutlich bevorzugte Variante. Hierbei fehlen natürlich die Eindrücke von den ländlichen Regionen und eben genannte Einladungen und Übernachtungen bei den Familien. Aus diesem Grund bereuen wir die Route durch das Land wie gesagt keineswegs. Zum Schluss hatten wir nur einfach zuviel des Guten. 

 

Der Gottesstaat

Wir haben, so denken wir, ein halbwegs breites Spektrum an Einwohnern kennengelernt. Wir waren zu Gast bei einer Familie, wo auch im Haus Kopftuch getragen wird und der Vater direkt vor uns im Wohnzimmer, neben dem Fernseher sein Gebetsritual abhielt. Wir waren aber auch bei Leuten, die sich selbst als Atheisten bezeichnet haben. 

Die Leute mit den wir sprachen haben die Regierung ganz klar als Diktatur bezeichnet und beklagen die anhaltende Rückentwicklung des Landes seit der Revolution. Uns wurde gesagt, dass die Mehrheit der Einwohner gegen die Regierung ist und beispielsweise Kopftuchpflicht für überflüssig hält. Es schien uns als wenn die Mehrheit der Menschen durchaus modern ist und sein will. 

Wir wissen aber auch, dass wir bei weitem nicht alles gesehen haben. Es bleiben eben nur unsere eigenen Eindrücke, die mit der tatsächlichen Situation nicht übereinstimmen müssen.

 

Radlertipps

Kleiderordnung für Radlerinnen 

Das Thema muss man unserer Meinung nach als Tourist nicht so wahnsinnig ernst nehmen. Schon garnicht so lange man auf oder bei seinem Rad ist. Lena hatte fast nie ein Kopftuch unter dem Helm und damit gab es auch nie Probleme. Wenn der Helm abgesetzt werden musste, dann wurde er recht flink gegen das Kopftuch getauscht. Diese kurze Umzieh-Aktion hat auch auf offener Straße keine Probleme bereitet. 

Lena fuhr oft auch in Hemden, die eigentlich zu kurz sind. Der Hintern war nicht komplett bedeckt. Damit gab es auf der Straße keine Probleme.  Auch die Sandalen haben niemanden gestört. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall etwas langes zu tragen, wenn man Gast bei Familien ist bzw. sein möchte.


Mann und Frau sein 

Lena wurde hin und wieder komplett ignoriert und die Männer haben nur mit mir gesprochen, mich begrüßt und mir die Hand gegeben.
Sobald Lena sich aber eingemischt hat und den Männern klar wurde, "dass ich ihr das erlaube", haben sie auch mit ihr gesprochen. 
Wir hatten das Gefühl, dass sich Lena einfach nur bemerkbar machen musste und dann ging es auch ohne ignoriert zu werden. 

Was die Männer gegenüber den Frauen tun funktioniert übrigens auch anders herum.

Manchmal stand ich einfach nur blöd daneben, während mit Lena Fotos gemacht wurden, mit ihr gesprochen und gescherzt wurde. In diesen Fällen hatten sich die iranischen Frauen getraut Lena anzusprechen.

Das ganze Mann/Frau-Thema hat uns währen der Zeit im Iran viele Gesichter gezeigt.

Wir haben uns in der Türkei Ringe gekauft um vorzugeben verheiratet zu sein. Das ist nicht mehr unbedingt notwendig denken wir. Niemand hat uns beim Hotel-Check-In gefragt ob wir verheiratet sind. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Dennoch macht es vieles einfacher. Man zeigt einfach auf den Ring und sagt man wäre verheiratet. Keine Fragen, keine Probleme.

Bei der Frage ob wir Kinder hätten, haben wir immer auf unsere Räder gezeigt. Das hat auch immer für ein Schmunzeln gesorgt.

  

Städte und Dörfer 

Die Städte sind leider nicht gerade eine Augenweide. Weder Dörfer noch Städte haben bei uns großes Interesse geweckt uns dort lange aufzuhalten und durch die Straßen zu schlendern.

 

Verpflegung 

Bezüglich Wasser und Nahrungsmittel braucht man sich keine Sorgen zu machen. Im schlimmsten Fall hält man ein Auto oder LKW an und man bekommt was man braucht. Hilfsbereit sind die meisten Leute ja. 

Wasser gibt es in vielen Städten und Dörfern am Straßenrand oder in Moscheen. Filtern oder entkeimen muss man es nicht. 

Findet man kein Wasser, dann kann man einfach irgendwo fragen. Manchmal laufen die Leute auch mit zu einem Shop und kaufen eine Flasche Wasser.... 

Essen findet man zwar, aber man muss suchen. Supermärkte findet man so gut wie gar nicht. Stattdessen muss man von Geschäft zu Geschäft laufen um alles beisammen zu haben. Brot hier, Gemüse da, Obst dort, Joghurt gegenüber, Reis weiter hinten, etc. Das kann schon anstrengend sein. Tendenziell findet man aber in jeder kleinen Ortschaft irgendein Geschäft. 

 

Verkehr:

Schulterblick gibt es nicht

Es wird jede mögliche Lücke genutzt um sich dazwischen zu quetschen

Fahrspuren gibt es zwar, diese werden jedoch vollkommen ignoriert und einfach mal verdoppelt /verdreifacht

Motoradfahrer sind Horror. Schießen und quetschen sich überall durch

Eine Rote Ampel bedeutet noch lange nicht, dass man stehen bleibt

Es gilt das Gesetz des Stärkeren

Man hat das Gefühl, die Iraner gucken nicht sondern fahren einfach wie es ihnen passt aber sie sind darauf eingestellt dass alles passieren kann und rechnen mit allem. Bremsen also auch wenn plötzlich zwei Radler auftauchen

Bis auf zwei brenzliche Ausnahmen haben die Iraner meistens eher sich in Gefahr gebracht (sehr nah an den Gegenverkehr gefahren) als uns zu nah zu kommen.

 

Internet

Viele Seiten sind im Iran geblockt und generell funktionieren WLAN-Hotspots in den Hotels nicht wirklich gut.

Um die geblockten Seiten aufrufen zu können braucht man ein VPN. Wir hatten die App Psiphon auf unseren Handys. Auf dem PC hat ein privates VPN einen guten Job gemacht. Wichtig: VOR betreten des Landes herunterladen! Danach geht's nicht mehr.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall eine SIM-Karte zu kaufen. Die kosten sind überschaubar und es geht recht einfach und schnell.
Man kann SIM-Karten in den Post-Fillialien kaufen. Einfach jemanden fragen, der ein wenig englisch kann, dann wird euch nach iranischer Tradition überraus eifrig geholfen den richtigen Laden zu finden. Wir hatten eine SIM-Karte von Irancell und waren zufrieden damit. Aufladen kann man sie an vielen Kiosken mit dem Irancell Logo. Manchmal kann man das aber nur mit einer iranischen Kreditkarte zahlen. Oft übernehmen das dann andere Kunden (wenn sie das Problem mitbekommen) und man gibt denen dann einfach das Bargeld.

Gute Infos zu dem Thema findet man hier: http://prepaid-data-sim-card.wikia.com/wiki/Iran

 

Ersatzteile

...findet man in den großen Städten. Dort aber auch nur wenn man weiß wo. Fragen hilft aber auch hier. Generell ist die Versorgung mit hochwertigen Ersatzteilen schon hier relativ schwer aber immer noch ganz ok.
Gutes Zeug schien es in Tabriz zu geben. Teheran und Maschad waren eher enttäuschend für uns. Sinnvolle Reifen gab es nirgendwo und offenbar hat man mir auch einen gefälschten Schwalbe-Mantel verkauft. Also aufpassen!

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Blogeinträge zu Iran

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Unsere letzten Tage im Iran

Unsere letzten zwei Tage im Iran verbringen wir auf der Straße Richtung Türkmenistan und die letzte Nacht im Hotel mit Geld zählen. 

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iranische Familienfeier

Wir sitzen beim Cousin unseres Gastgebers, unsere Wäsche ist in der Maschine, wir haben geduscht und ein zweites Mittag im Magen. Allmählich trudeln einige Freunde und weitere Familienmitglieder ein, ich habe jetzt schon jeglichen Überblick verloren. Irgendwann kommt dann auch unsere Gastfamilie. Amir setzt sich zu uns an den Tisch, fackelt nicht lang und fragt was unsere Pläne für unseren Aufenthalt in Mashhad sind. "ähm... Bisher noch keine!" antworten wir. Worauf er uns ein "sehr gut!" entgegen trällert, denn dann hätte er jetzt einen Plan für uns. Die Familie will übermorgen für einen Tag mit Übernachtung, in ihr Heimatdorf fahren und will uns gerne mitnehmen.  

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Im Schrein

Es ist 2:30 Uhr. Wir sitzen auf der Rückbank eines altes Saipas. Vorne sitzen Amir und Fatimeh (die Namen habe ich mal geändert). Ihr Sohn kriecht nicht angeschnallt auf Muttis Schoß herum.

 

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auf nach Mashhad

Auf unserem Weg nach Mashhad gibt's wieder jede Menge Stefan-Gequatsche und viele Pilger am Straßenrand

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