zwei Esel im Dunkel

Ich sitze für ein paar Sekunden völlig im Dunkeln, kralle mich mit einer Hand an die schmale Kante der hölzernen Nußschale und mit der anderen greife ich instinktiv nach Emils Gepäckträger. Zwei Atemzüge später und der Lichtkegel der Taschenlampe meines Steuermanns erscheint wieder rhythmisch, hin und her springend einige Meter vor mir an der Felswand, auf dem Wasser oder auf einem plötzlich auftauchendem Stein im Wasser. Etwas weiter vorne erkenne ich schemenhaft die Umrisse von Stefan, der ebenfalls auf einem Boot zusammen mit Emma sitzt, wobei letztere eigentlich komplett ungesichert auf dem Gepäck obenauf liegt.   

 

Wir durchqueren gerade die Konglor - Cave. Diese ist 7,5 km lang und kann per Boot auf dem Fluss durchfahren werden. Die größte Ausdehnung erreicht die Höhle mit 90 Metern Breite und 100 Metern Höhe. Die einzige Lichtquelle ist meine Stirnlampe, welche bei diesen Ausmaßen völlig versagt, sprich mich gerade mal Emil erkennen lässt, und die besagte Flutlichtlampe meines Steuermann. Na gut ab und zu auch das Licht von anderen Booten. Die Motoren der Boote sind an sich ja schon unglaublich laut und in dieser Höhle werden die Geräusche zu einem lärmendem Dröhnen, unmöglich auszumachen ob dieser Krach nur von meinem oder noch von x anderen Booten kommt. Geschweige denn ob wir Gegenverkehr bekommen oder nicht. 

Wir hatten zuvor von anderen Radlern gehört, dass es möglich ist mit den Rädern auf den schmalen & langen Holzbooten durch die Konglor - Cave zu fahren um dann auf der anderen Seite auf sandigen Pisten und fern ab vom Tourismus weiter 

Richtung Süden zu radeln. Geplant, getan.

 

Von unserer Unterkunft radel wir ca. 43km bis zum Eingang der Höhle. Es ist extrem heiß und wir freuen uns auf die Abkühlung in der Höhle. Die Frau am Ticket - Häuschen schaut auf eine Liste und beharrt auf 150.000 Kip pro Boot mit je einer Person und einem Rad. Auch wenn wir wissen, dass andere verhandeln konnten - wir können es nicht. Wir zahlen und müssen dann die Stufen zum Fluss herunter. Einer der beiden Steuermänner hilft uns fleißig, wobei die Geräusche welche er macht weitaus überschwänglicher sind als sein körperlicher Einsatz. Wir müssen über den Fluss und dann geht's über Stock und Stein. Fast wäre Stefan mit Emma abgestürzt, aber dank seiner Kraft und guter Schuhsolen hat er sich noch retten können. Wir werden auf zwei Boote aufgeteilt. Die Taschen liegen ok, aber bei unseren Eseln wird uns doch schon ein wenig mulmig zu Mute. Und dann beginnt die Fahrt ins Dunkle.

 

 

Der Bootsmann hinter mir schwenkt sein Lichtkegel immer von links nach rechts und wieder zurück. Manchmal auch nach hinten und dann ist es tatsächlich soooo dunkel dass ich meine eigene Hand nicht mehr sehen kann. Die Höhle ist der Hammer und gleichzeitig Ungeheuer ... Riesig breit wie hoch. Dann dürfen wir aussteigen und zu Fuß weiter gehen. Stalaktiten bestaunen. Während dessen werden Emil und Emma ohne uns durch die Höhle geschippert. Uns beunruhigt das zwar ein wenig aber Vertrauen heißt die Devise. Der Fußweg... Naja ganz cool. Wir sind noch mit einem anderen Pärchen unterwegs, also fast alleine. Irgendwann hören wir Emma hupen gefolgt von lautem Gelächter. Wir sind auch schon am Ende des fußläufigen Teils angekommen. Wieder in die Boote. Stefans Boot fährt schneller und verschwindet aus meinem Sichtfeld. Und Emil & ich? Tja wir scheinen uns festgefahren zu haben... Mein Steuermann steht bis zu den Knien im Wasser und ich klammere mich ans Boot und halte Emil fest. Es schaukelt und ruckelt ganz schön und ich sehe mich schon mit Allem im Wasser liegen, als es mit einem kräftigen Ruck weiter geht.

 

Ich habe absolut kein Zeitgefühl. Sieben Kilometer sind aber auch echt lang. Wir fahren durch Schneisen die gerade mal 20cm breiter sind als unsere Boote. Die Bootsführer müssen die Höhle echt gut kennen, denn nirgendwo dringt auch nur ein klitzekleiner Lichtschein zu uns hindurch. Und dann heißt es nochmals aussteigen. Die Männer wuchten die Boote zu dritt eine Stromschnelle hoch. Ich bin eigentlich ganz froh dass es so dunkel ist, denn so kann ich nicht sehen wie Emil & Emma auf den Booten hin und her geschaukelt werden. Nach weiterer kurzer Fahrt erreichen wir das Tageslicht. Wow. Ich komme mir vor wie in einer anderen Welt. Im seichten Ufer baden die Wasserbüffel und die Sonne scheint durch verschiedenste Blätterformen. Noch ein wenig Fluss schippern und dann wird alles das Ufer hinauf geschleppt. Tadaa da sind wir wieder.

 

Beim Mittag im Schatten der Bäume lassen wir unser gemeinsames und doch getrennt Erlebtes noch einmal Revue passieren und freuen uns, dass wir dem Tipp gefolgt sind. 

 

Die darauf folgenden Tage auf der staubigen, roten Piste sollten noch extrem anstrengend werden. Aber es hat sich jede Schweißperle gelohnt. Davon zu berichten würde den Rahmen hier sprengen - vielleicht gibt's mal ein Video davon.

 

 

Lena


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Kommentare: 2
  • #1

    Rüdiger Miertschink (Mittwoch, 11 April 2018 17:21)

    Der Wahnsinn schlechthin! Traumhaftes Erlebnis, besser als jede Fahrt ins Blaue, oder sollte man hier besser sagen: ins Dunkle? Und immer wieder: Auf Vertauen und Hoffnung basiert diese Welt.
    Sehr beeindruckend dürfte die Erfahrung sein, wie sehr unser tägliches Erleben vom Licht abhängt und davon, dass wir sehen können. Ohne Licht hat alles weder Zeit noch Raum.
    Und Lena, ich weiß ja, dass du der Sparfuchs bist, aber so ein Erlebnis ist doch ganz sicher 15 Euro wert. Außerdem haben sich doch die Bootsführer soooo angestrengt.
    Das Bild von dem Zeltplatz am Anstieg sieht aus, als ob ihr euch einen Beobachtungsposten eingerichtet habt. Ja, man weiß ja nie...

  • #2

    Viola (Mittwoch, 25 April 2018 14:50)

    ...und ganz manchmal schwitzt ihr auch ein ganz bisschen, hm?
    Sieht eher nach Sturzbächen aus.
    Was für eine tolle Etappe.